Erbschaft: Was tun, wenn du ein Haus erbst?

Von Martina am 18. September 2019 in Finanzen
Erbschaft: Was tun, wenn du ein Haus erbst?

Automatisch auf seine Erben wird beim Ablehnen eines Erblassers der gesamte Nachlass übertragen. Aus der gesetzlichen Erbfolge ergibt sich dann, wer erbt und daraus dann die testamentarische Verfügung des in Frage kommenden Erblassers.

Der komplette Besitz des Verstorbenen erhalten die Erben. Ebenso sind mit allen Rechten und Pflichten die Rechtsnachfolger auch für dessen etwaige Schulden verantwortlich. Somit musst du dann, im Falle eines Erbens, auch für die Schulden mit dem eigenen Vermögen haften. Erkundige dich daher genau als Nachlassempfänger, über den Nachlass und schlage die Erbschaft unter Umständen aus.

Erbe annehmen oder ausschlagen

Ob es durch ein Testament oder vom Gesetz festgelegt ist: verpflichtet ist kein Erbe, eine Erbschaft anzunehmen. Das Recht, ein Nachlass auszuschlagen, hat jeder Erbe. Gerade bei einem überschuldeten Erbe bietet sich dieses an.

Bezüglich der Vermögensverhältnisse sollte sich ein Erbe genau erkundigen, wenn er eine Immobilie erbt. Ist das Haus mit einer Hypothek belastet, oder ist das Haus bereits abbezahlt? Im Grundbuch erfährst du dies. Es lohnt sich, die Immobilie von einem Experten wie beispielsweise einem Makler beurteilen zu lassen, wenn du den sogenannten Verkehrswert der Immobilie erfahren möchtest.

Die Zeit, eine Erbschaft auszuschlagen, beträgt 6 Wochen. Möglich ist dies, bei einem Notar oder dem Rechtspfleger am zuständigen Amtsgericht. Wenn der Erbe von dem Erbfall erfährt, beginnt die Frist.

Haus geerbt: selber nutzen, vermieten oder verkaufen?

Bei einem Haus Erbe solltest du dir vorab Gedanken machen, wie du die Immobilie in Zukunft nutzen möchtest. Möchtest du als Erbe selbst darin wohnen? Oder möchtest du das Haus verkaufen oder vermieten? Hier erfährst du, wie du die Immobilie bewerten lassen kannst.

Die Rahmenbedingungen der Immobilie werden Dir bei dieser Entscheidung helfen. Der Zustand der Immobilie, Stichwort Sanierungsbedarf, ist neben einem Blick ins Grundbuch nützlich für die spätere Nutzung der Immobilie. Wenn ein Erbe die Immobilie selbst bewohnen möchte, ist es wichtig, die Kosten für die etwaigen Umbauten einzukalkulieren. Hast du ein Mietobjekt als Erbe, dann kannst du die Instandhaltungskosten den Mieteinnahmen entgegenstellen. Gibt es eine Erbengemeinschaft, muss genügend Geld aufgebracht werden, damit die Ansprüche der Miterben auch erfüllt werden können. Ist die Immobilie vermietet, geht der Besitz und die Vermietung automatisch an die Erben über. Du hast die Möglichkeiten, im Falle einer Selbstnutzung der Immobilie, dem aktuellen Mieter wegen Eigenbedarf zu kündigen. Entscheidest du dich, die Immobilie zu verkaufen, dann findest du mit dem kostenlosen Immobilienbewertung von Homeday ganz schnell den aktuellen Marktpreis heraus.

Wofür brauche ich einen Erbschein?

Über die rechtmäßigen Erben und den Umfang ihrer Erbschaft (Erbquote) gibt einen Erbschein Auskunft. Gegen eine Gebühr stellt das Nachlassgericht auf Antrag das Dokument aus, und ist oftmals notwendig, um das Erbe zu erhalten bzw. darüber bestimmen zu können. In diesem Zusammenhang verlangen vor allem Behörden oder Banken dieses Dokument. Um auf das Konto des Erblassers zuzugreifen, benötigst du den Erbschein als Voraussetzung.

Um Einsicht ins Grundbuch einer geerbten Immobilie zu bekommen, berechtigt dich der Erbschein als Erbe. Mit diesem kannst du dann im Grundbuch sehen, ob und wie inwieweit die Immobilie belastet ist. Um die Erbfolge anzuzeigen und den Erben als neuen Eigentümer im Grundbuch einzutragen, ist dieses Dokument ebenfalls erforderlich. In einer Frist von 24 Monaten ist letzteres kostenlos möglich.

Das Erbe wird angenommen, wenn ein Erbschein beantragt wird. Die Erbschaft dann auszuschlagen, ist danach nicht mehr möglich. Als einzelner Erbe entweder einen Teilerbschein oder einen gemeinschaftlichen Erbschein zu erhalten, ist in einer Erbgemeinschaft dann möglich und gilt für mehrere Erben.

Wann werden Erbschaftssteuer fällig?

Auf den Nachlass werden, wer in Deutschland erbt, Erbschaftsteuern gezahlt. Es ist abhängig davon, wie hoch die Erbschaftssteuer für den Einzelnen ausfällt, in welcher Erbschaftssteuerklasse sich der Erde befindet und wie hoch der persönliche Freibetrag ist. Ein Freibetrag von 500.000 € gilt beispielsweise für einen Ehepartner (Steuerklasse 1) eines Verstorbenen. Du zahlst keine Steuern darauf, wenn der Erbanteil unter diesem Wert liegt. Hingegen steht der Schwester (Steuerklasse 2) eines Erblassers lediglich ein Freibetrag von 20.000 € zu. Alles weitere, was darüber hinausgeht, wird vom Staat besteuert.

Es entfällt die Erbschaftssteuer, wenn das Vermögen bereits an den Erben zu Lebzeiten übertragen wird, beispielsweise mit einer Schenkung. Hohe Freibeträge gelten bei dieser Art der Vermögensübertragung und kann alle zehn Jahre erneut ausgeschöpft werden. Beispielsweise lassen sich somit sehr wertvolle oder mehrere Immobilien übertragen. Zudem ermöglicht die Schenkung, Erben aus dem Nachlass auszuschließen bzw. deren Pflichtanteil zu reduzieren. Es empfiehlt sich in beiden Fällen, langfristig die Schenkung zu planen und die Vor und Nachteile abzuwägen.

Alleinerbe oder mit Erbe in einer Erbgemeinschaft

Das vererbte Vermögen geht im Gegensatz zum Alleinerben bei einer Erbengemeinschaft auf mehrere Erben (sogenannte Miterben) über. Damit gehört eine vererbte Immobilie allen Erben gemeinsam. Für keinen Miterben besteht ein alleiniges Eigentum an einzelnen Gegenständen des Erben. Alle Entscheidungen bezüglich der Immobilie werden von allen Miterben zusammengetroffen. Fragen wie, wer die Immobilie verwalten soll, wie diese genutzt werden soll, oder ob ein Verkauf in Frage kommt, werden gemeinsam geklärt.

In der Praxis sind Erbengemeinschaften nicht selten und entstehen vor allem dann, wenn in einem Testament seitens des Verstorbenen der letzte Willen nicht festgesetzt ist. Die gesetzliche Erbfolge tritt dann ein und mehrere Geschwister oder Ehegatten und die Kinder des Verstorbenen sind dann eine Erbengemeinschaft. Jeder mit Erbe bekommt einen bestimmten Stimmenanteil in der Erbgemeinschaft, abhängig von der Erbquote, von den Miterben wird viel Kooperation verlangt. In einer Erbauseinandersetzung findet in der Regel die Erbengemeinschaft dann ihr Ende, wird dann aufgelöst und das gemeinsame Erbe unter den mit Erben aufgeteilt. Für Erben kann eine glimpflicher Lösung von Erbstreitigkeiten der gemeinschaftliche Verkauf eines geerbten Hauses sein. Mit weniger wirtschaftlichen Verlusten ist im Gegensatz zur Teil oder Zwangsversteigerung diese verbunden.

Erblasser sollten ihren letzten Willen schon zu Lebzeiten verfügen, um Erbstreitigkeiten und daraus resultierende Wertverluste der Immobilie zu verhindern. Ein Testament für Immobilieneigentümer bietet sich auch nach einer Schenkung an, über welches das Haus vererbt wird.

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